Johann Hinrich Wichern und der Adventskranz 1839

Advent- wir warten auf Weihnachten, auf Jesus, der geboren wird, auf das Licht, das von Gott in die Welt kommt. Es gibt viel Dunkelheit, auch bei uns.
Deutschland 2009: Viele Kinder wachsen behütet auf. Manche Kinder gehen nicht gern nach Hause. Ihre Eltern kümmern sich nicht um sie, es wird zuhause getrunken, es gibt häusliche Gewalt, Armut, sexuellen Missbrauch. Und leider gibt es auch Kinder, die schlagen und treten andere, stehlen und lügen. Aber es gibt auch Hilfe: das Jugendamt, Beratungsstellen wie etwa bei der ABI Sangerhausen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, sozialpädagogische Familienhilfe, Sorgentelefon, Frauen- und Kinderschutzhaus.

Hamburg 1833: Viele Kinder wachsen behütet auf. Manche Kinder gehen nicht gern nach Hause. Ihre Eltern kümmern sich nicht um sie, es wird zuhause getrunken, es gibt häusliche Gewalt, Armut, sexuellen Missbrauch. Und leider gibt es auch Kinder, die schlagen und treten andere, stehlen und lügen. Aber es gibt kein Jugendamt und keine Beratungsstellen. Niemand kümmert sich darum, daß viele nicht genug zu essen haben. Kinder, die sich auf der Straße herumtreiben oder stehlen, werden von der Polizei einfach ins Gefängnis gesteckt. Wenn sie keine Eltern mehr haben, keine Verwandten, landen sie vielleicht im Waisenhaus. Doch da ist es auch nicht viel besser. Sie müssen den ganzen Tag arbeiten. Frühs und abends stillestehen. Die Aufseher sind unbarmherzig, es gibt viel Prügel. Weglaufen ist verboten. Alles ist abgesperrt. Wer trotzdem ausreißt, wird schlimm bestraft.

Adventskranz nach Johann Hinrich Wichern
Adventskranz nach Johann Hinrich Wichern

Ein junger Mann in Hamburg wollte sich damit nicht abfinden. Johann Hinrich Wichern dachte: Solche Kinder müssen gerettet werden. Ich will ein Heim gründen, in dem sie gern sind. Es soll dort wie in einer Familie zugehen, denn ein glückliches Familienleben haben sie zuhause ja nicht erlebt. So gründete er das Rauhe Haus. Im Advent 1833 waren 12 Kinder eingezogen. Es war eine offene Einrichtung, ohne Schlösser und Graben, die die Kinder am Weglaufen hätten hindern können.
Manche Leute schüttelten den Kopf über diesen Wichern und sagten: Wenn er nicht bald einen Zaun aufstellt und abends die Türen zuschließt, werden ihm die Kinder wohl alle weglaufen, denn sie sind lauter schlimme Rabauken. Aber kaum ein Kind riß aus. Die Kette der Liebe band sie viel stärker.

Bald mußte erweitert werden. Immer 12 Kinder wohnten in einem Haus, zusammen mit Hauseltern und einem pädagogischen Mitarbeiter. Vor ihnen mussten die Kinder nicht stramm stehen. Sie wurden nicht etwa Aufseher genannt, sondern Brüder. Denn wie große Brüder sollten sie zu den Kindern sein. Sie durften sie auch nicht schlagen. Und weil es damals keine ausgebildeten SozialpädagogInnen gab, bildete Wichern sie selbst aus. Der Beruf des Sozialarbeiters oder Diakons geht auf Wichern zurück wie auch das Kinderdorf-Prinzip. Vieles, was heute in der Jugendhilfe selbstverständlich ist, wurde im Rauhen Haus schon praktiziert. Daß die Kinder im Mittelpunkt standen und ihre Individualität gefördert wurde. Daß über ihre Entwicklung Buch geführt wurde. Daß die Mitarbeitenden sich regelmäßig berieten über die einzelnen Kinder. Erziehungskonferenzen heißt das heute. Daß mit den Eltern gearbeitet wurde. Daß die Kinder mit 16 Jahren nichts ins Nichts entlassen wurden, sondern daß vorbereitet wurde, wohin sie kamen. Und daß sie nach der Entlassung weiter betreut wurden.
Im Rauhen Haus wurde viel gefeiert. Die Feste waren legendär. Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Apfelfest, Kartoffelfest.
Was ist nach 6 Jahren aus dem Rauen Haus geworden?

Hamburg 1839: Wie lange dauert es noch bis Weihnachten? Immer wieder hatte Johann Hinrich Wichern in den vergangenen Jahren auf die ungeduldige Frage der Kinder antworten müssen. In diesem Jahr ließ er sich eine unkonventionelle Antwort einfallen. Und tatsächlich glänzten alle Augen, als sich die Tür zum Betsaal des Rauhen Hauses in Hamburg öffnete: Ein Holzreifen hing an der Decke mit 23 Kerzen. Das erste Licht leuchtete. Am nächsten Tag waren es zwei. Jeden Tag hielten Hauseltern, Brüder und Kinder ihre Andacht und sangen Adventslieder, jeden Tag wurde ein Licht mehr angezündet, bis Weihnachten kam.

Vier große weiße Kerzen standen für die vier Adventssonntage, die roten Kerzen dazwischen für die Wochentage. Der Adventskranz war also zugleich in Adventskalender. Erst Jahre später wurde der Holzreifen mit Tannengrün umwickelt. Die Diakone, die Brüder, verbreiteten den Brauch in Einrichtungen, die nach dem Vorbild des Rauhen Hauses in ganz Deutschland gegründet wurden. Das Rauhe Haus gibt es noch heute.

Johann Hinrich Wichern hat den Beruf des Diakons oder Sozialarbeiters erfunden, das Kinderdorfprinzip und den Adventskranz. Der wird dieses Jahr 170.

1. Advent mit dem Wichern-Adventskranz
1. Advent mit dem Wichern-Adventskranz

Immer, wenn ein neues Licht am Adventskranz angezündet wurde, haben die Kinder im Rauhen Haus erlebt: Gottes Licht kommt zu uns. Und jeden Tag wird es ein bisschen heller. Dieses Licht kann auch auf uns fallen, besonders dann, wenn Dunkles uns umgibt. Wärme, Freude und Hoffnung soll es bringen. Mögen wir es weitergeben.

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