Die wahre Geschichte vom Nikolaus

Einst herrschte in der Stadt Myra in der Türkei eine große Hungersnot. Der Regen blieb aus. Erst waren die Pfützen vertrocknet, dann magerten die Tiere ab und schließlich auch die Menschen. Jeden Tag liefen die Leute zum Meer und suchten den Horizont ab. Vielleicht kommt ein Schiff vorbei, ein Getreideschiff? Nach vielen Wochen endlich ankerte endlich einige Schiffe vor der Küste, beladen mit Säcken voller Korn. Wie ein Lauffeuer breitete sich die Kunde aus, und die ganze Stadt versammelte sich erwartungsvoll am Meer.  Doch welche Enttäuschung!

Nikolaus im Hochaltar
Nikolaus im Hochaltar

Die Matrosen wiesen die Hungernden mit eiserner Miene ab: Das Getreide sei Eigentum des Kaisers, dazu bestimmt, seine Kornkammern zu füllen. Keinen einzigen Sack gaben sie ab. Die Hoffnung in den Augen der Leute erlosch. Da trat ihr Bischof vor, Nikolaus. Er ging zum Schiff und verhandelte mit den Seeleuten. Er bat und bettelte und war so hartnäckig, dass sie sich am Ende erweichen ließen: Aus jedem Schiff wurde ein Sack Weizen an Land getragen.
Und dann teilte Bischof Nikolaus aus: eine Handvoll für jede Familie. Auch die Alten und Kranken bekamen. Behutsam trugen die Leute den Weizen nach Hause. Sie mahlten die Körner zu Mehl, kneteten den Teig und schoben ihn in den Backofen. Mit glänzenden Augen standen die Kinder dabei und warteten. Bald duftete es in der ganzen Stadt nach frischgebackenem Brot. Als die Leute ihre Backöfen öffneten, staunten sie. Der winzige Laib aus einer Handvoll Körner war zu einem wundervollen Brot geworden, groß genug, ihren Hunger zu stillen.
Die Legende erzählt, dass das Getreide die Stadt zwei Jahre am Leben hielt, bis wieder Regen fiel und gesät werden konnte. Und sie erzählt auch, dass kein einziges Weizenkorn gefehlt haben soll, als die Schiffe beim Kaiser in Rom ankamen.
Bischof Nikolaus – das ist gesichert – lebte im 4. Jahrhundert in Myra. Sein Verhandlungsgeschick hat eine Stadt vor dem Hungertod gerettet. Er hat Mädchen vor dem Verkauf in die Prostitution bewahrt. Weil er sich besonders für Kinder starkgemacht hat, werden noch heute die Kinder am Nikolaustag beschenkt.
Eine Rute trug er übrigens nicht. Er hat Kinder nicht verängstigt.

Weitere Predigten in der Advents- und Weihnachtszeit: hier

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