Johannes der Täufer und 70 Jahre Menschenrechte

Johannes der Täufer macht den Mund weit auf. Er bringt das Unrecht laut zur Sprache. Er gibt der Gerechtigkeit eine Stimme. Das Militär hat das Land im Griff. Die Herrscherfamilie läßt sich von den Römern protegieren und bereichert sich auf Kosten des Landes. Soldaten zwingen die Leute zum Militärdienst und zur Kooperation. Viele ducken sich. Doch Johannes läßt sich nicht einschüchtern. In aller Öffentlichkeit kritisiert er Herodes. Er spricht Bereicherung,  staatliche Gewaltmethoden und Erpressung an: die Zöllner sollen nicht mehr fordern, als vorgeschrieben ist, und die Soldaten sollen keine Gewalt und Unrecht anwenden und sich an ihrem Sold genügen lassen. Johannes ruft die Menschen auf, nicht länger mitzulaufen und zu kooperieren, sondern solidarisch zu sein: wer zwei Hemden hat, gebe dem, der keines hat, und wer zu essen hat, ebenso. Der Propaganda des Staates setzt Johannes eine schonungslose Analyse der Gesellschaft entgegen: die Axt ist den Bäumen schon an die Wurzel gelegt. Das Land steht am Rand des Abgrunds. Die Bibel benennt klar die Verantwortlichen: im 15. Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren (Lk 3,1+2).
Johannes hat ausgesprochen, was viele dachten. Sein Beispiel hat ihnen Mut gemacht. Leute, die bisher geschwiegen haben, kamen aus ihren Nischen heraus und haben sich in Bewegung gesetzt. Eine große Menge war es, die zu seinem Versteck am Jordan pilgerte, erzählen die Evangelien. Offensichtlich gingen die Sympathien für seine Gedanken quer durch alle Gesellschaftsschichten, bis hin zu Angehörigen der Besatzungsmacht. Selbst Soldaten und Zöllner fragen ihn, wie sie sich verhalten sollen. Der Reformbedarf war also selbst in Teilen des Militärs und der Oberschicht deutlich.
Ein Symbol der Bewegung entsteht: Untertauchen im Jordan. Die Untergetauchten. Später wird es zum Symbol der Christ*innen – die Taufe.
Johannes zahlt eine Preis , so wie viele dafür zahlen müssen, die die Wahrheit aufdecken und sich für Menschenrechte einsetzen. Sie werden bedroht, landen hinter Gefängnismauern, werden ermordet. Aber Johannes‘ Bewegung ging in Jesus‘ Bewegung weiter. Viele seiner Leute werden zu Jesus-Leuten.

Wir erinnern uns heute daran, daß am 10. Dezember 1948, vor 70 Jahren, in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet wurde. Um die Formulierungen wurde lange gestritten. Die Erklärung war wohl nur möglich auf dem Hintergrund der Schrecken und Verbrechen des 2. Weltkriegs. Es gab 8 Enthaltungen (Sowjetunion, Ukraine, Weissrussland, Polen, CSSR, Jugoslawien, Saudi-Arabien und Südafrika). Die Erklärung ist völkerrechtlich unverbindlich. Die Rechte sind nicht einklagbar. Dennoch: sie reichen weit über unsere Zeit hinaus. Sie machen jeder Person, die sie liest, ihre Würde bewußt. Und sie ermutigen jede Person, für diese Würde, für diese Rechte einzutreten.
Was Johannes damals ausgesprochen hat, erleben Menschen auch heute in vielen Teilen der Welt. Gewalt und Brutalität, Bereicherung und Korruption, Unterdrückung der Wahrheit. Johannes wurde von Gott zum Reden gedrängt. Er hat viele Brüder und Schwestern. Mögen auch wir zu ihnen gehören.

Predigt am 3. Advent über Lukas 3, 1-14.18-20
Die 30 Artikel der Erklärung werden während des Gottesdienstes vorgelesen.

Weitere Predigten in der Adventszeit
Familiengottesdienst zu: Johannis: Zacharias und Elisabeth bekommen ein Kind

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