Gottesdienst zum Tag gegen die Todesstrafe

Haben Sie mitbekommen, welcher Gedenktag gestern war? Nein?? Am 10. Oktober ist weltweiter Tag gegen die Todesstrafe. Kaum jemand weiß das. Auch ich habe es nur erfahren, weil auf dem Kirchentag ein Stand war von Christinnen und „Christen für die Abschaffung der Folter“ (ACAT). Das gehört wohl dazu. Über Folter und Todesstrafe wird nicht gern geredet. Es ist ein Thema, über das wir schweigen. Und auch ihre Opfer werden verschwiegen. Sie sitzen in einsamen Kellern, in schallgeschützten Verliesen und Gefängnissen. Ihre Schreie dringen nicht nach außen. Die Öffentlichkeit bekommt nichts davon mit. Oft will sie das auch gar nicht. Es ist kein Thema, mit dem wir uns gern beschäftigen. Weiterlesen

Fünf Häute und zehn Prozent – die Heilung der Aussätzigen

Hautkrankheiten zählen zu den langwierigen. Ihre Behandlung braucht viel Geduld. Wer sich jemals mit Akne oder Schuppen, Ekzem oder einer Flechte herumgeschlagen hat, weiß: es lässt sich nicht schnell wegzaubern. Als in den 80-er Jahren in Halle mehrfach Kinder an Neurodermitis erkrankten, haben sich Eltern gefragt, ob dabei nicht auch die verpestete Umwelt in der DDR eine Rolle spielt, die dreckige Luft, die Schaukronen auf der Saale, die aus Richtung Leuna geschwommen kamen. Inzwischen ist erwiesen, dass die Zunahme von Allergien mit den Giften zu tun hat, die uns umgeben. Unsere Haut reagiert sensibel. Mindestens bei den Ärzt:innen gilt der erste Blick auch der Haut. Sieht sie rosig aus, verfallen, stumpf? Das können wichtige Hinweise auf unseren Zustand sein. Weiterlesen

Herz-Schätze

Auf dem Nachttisch meiner Oma standen ein Wecker und eine Keksdose. Letzterer galt mein besonderes Interesse. Die Dose glänzte und beinhaltete Plätzchen mit einem roten Marmeladenpunkt in der Mitte. Zu besonderen Gelegenheiten durfte ich den Deckel aufmachen und ein Plätzchen naschen. Für die Oma dagegen war der Wecker wichtig. Nicht nur weil er schön laut klingelte. „Der ist noch aus der Heimat“, sagt sie immer.
Die Heimat gab es nicht mehr. Weiterlesen

Maria von Magdala und das Tabu, psychisch krank zu sein

Eine Frau, die sich im Internet Susanne nennt, schreibt über ihre Depressionen:
„Manchmal wird meine Krankheit zum Gefängnis. Ich fühlte mich wie ein Hamster im Laufrad. Seit Jahren mache ich Therapie, nehme ich Medikamente, arbeite an meinem Verhalten und an meiner Symptomatik ändert sich doch nichts. Noch immer muss ich die Auslöser für meine Depression meiden wie der Teufel das Weihwasser, noch immer bin ich nicht in der Lage, mich an einen Arbeitsplatz zu binden, noch immer leide ich unter massiver Angst vor Nähe. Es gibt Momente, in denen mir mein Leben nicht mehr als lebenswert erscheint. Dann kommen sie, die Gedanken an den Tod. Weiterlesen

Die verlorene Tochter – zu Lukas 15

Ob  i c h  noch F a m i l i e habe?? Also mein kleiner Bruder, der hat’s zuhause nicht mehr ausgehalten. Der ist eines Tages ausgezogen. Er war aufmüpfiger als mein großer Bruder, und irgendwann war Schluss für ihn. Er hat seine Sachen gepackt und ist abgehauen. Kurios: Mein Vater hat ihm sogar noch Geld mitgegeben.
Tja, da war’s vorbei mit der Vorzeigefamilie, voller Eintracht, mit guterzogenen Kindern. Das ist doch sowieso oft nur Fassade. Selbst wenn die Kinder grün und blau geschlagen werden, interessiert es niemanden. Hauptsache die Fassade stimmt. Weiterlesen

Gottesbilder heute

Wir haben etwas gemacht, was sich in der Kirche eigentlich nicht gehört: wir haben uns ein Gottesbild gemacht. Wir haben versucht, Gott zu malen.
Sich ein Bild von Gott machen, das wird in der Bibel verboten. Im Alten Testament findet es sich, es ist ursprünglich das 2. Gebot: du sollst dir kein Bildnis machen. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! (Ex 20,4-5) Weiterlesen

Was haben Sie zu sagen?

Was haben Sie zu sagen?
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – das gilt nur manchmal. Etwa für die, die zu allem ihren Senf dazugeben. Oder für Leute, die zwar viele Worte machen, aber im Grunde dabei nicht sagen. Was haben sie eigentlich gemeint, denke ich hinterher. Hätten sie sich nicht kürzer fassen können, statt denen, die zuhören, die Zeit zu stehlen?
Statistiken zeigen, daß in Diskussionen Männer länger zu Wort kommen als Frauen – übrigens auch in Gemeindekirchenräten. Viele, die sich zurückhalten, trauen sich nicht. Sie haben Angst, daß sie sich nicht so gut ausdrücken können, oder halten ihre Gedanken für zu unbedeutend. Wie lebendig würde es, wenn sie den Mund aufmachten! Wenn wir den anderen zeigen, was uns bewegt, können wir viel bewegen. Weiterlesen

Ostern: Gesegnete Unruhe

Es gibt Leute, die zu Ostern nicht sofort Halleluja singen. Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Die Frauen am Ostermorgen gehören auch dazu. Sie gehen zum Grab. Sie sind erste Zeuginnen der Auferstehung. Sie verbreiten die Nachricht und werden ihre ersten Verkündigerinnen und Apostelinnen. Aber von Jesus-lebt-Rufen oder Glaubensbekenntnissen keine Spur. Stattdessen erzählt das Markus-Evangelium, das älteste der vier Evangelien, von Zittern und Entsetzen und endet mit „denn sie fürchteten sich“. Weiterlesen

Gründonnerstag – Mahl der Träume

Das Abendmahl am Gründonnerstag ist ein Mahl der Träume. Auf unzähligen Bildern ist es gemalt, in unserem Altar dargestellt. Jesus und die Seinen essen das Passahlamm. Sie feiern den Gott, der die Menschen einst aus der Sklaverei befreite und sie auch heute noch in die Freiheit begleitet. Dieser Abend ist ein Fest. Das erste und auch das letzte. Sie sitzen zusammen, Jesus, seine Freundinnen und Freunde, enge und nahe. Sie essen Brot, sie trinken aus einem Kelch, sie hören Worte, die nie jemand zuvor gesagt und erdacht hat. Weiterlesen