Was haben Sie zu sagen?

Was haben Sie zu sagen?
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – das gilt nur manchmal. Etwa für die, die zu allem ihren Senf dazugeben. Oder für Leute, die zwar viele Worte machen, aber im Grunde dabei nicht sagen. Was haben sie eigentlich gemeint, denke ich hinterher. Hätten sie sich nicht kürzer fassen können, statt denen, die zuhören, die Zeit zu stehlen?
Statistiken zeigen, daß in Diskussionen Männer länger zu Wort kommen als Frauen – übrigens auch in Gemeindekirchenräten. Viele, die sich zurückhalten, trauen sich nicht. Sie haben Angst, daß sie sich nicht so gut ausdrücken können, oder halten ihre Gedanken für zu unbedeutend. Wie lebendig würde es, wenn sie den Mund aufmachten! Wenn wir den anderen zeigen, was uns bewegt, können wir viel bewegen.
In der DDR waren wir froh, wenn jemand das lähmende Schweigen gebrochen hat und den Mut hatte, etwas zu sagen. Amnesty International gelingt es immer wieder, Verfolgte vor dem Tod zu bewahren, nur indem viele Menschen Briefe und Emails an die Regierung schicken und ihre Stimme erheben. Reden kann lebenswichtig sein. Doch was haben wir zu sagen?
Vielredner haben wir genug und auch die aalglatten, die sich nicht festlegen wollen. Es wird viel gemeckert und geschimpft. Und von manchen Menschen kommen nur Phrasen. Was sie von sich geben, sind gar nicht sie selbst – auch wenn sie so tun und oft selbst fest davon überzeugt sind.
Also: was haben Sie zu sagen? Was beschäftigt Sie, welche Ideen und Träume haben Sie? Was steckt in Ihnen und will nach außen kommen?
In der Apostelgeschichte gestehen Petrus und Johannes ein: „Wir können‘s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ (Apostelgeschichte 4,20) Sie haben etwas, das sie vorantreibt und ihnen wichtig ist. Das bringen sie ein.
Nun kann es ja nervig sein, wenn Leute immer wieder von derselben Sache anfangen. Ich finde es interessant, daß sie davon reden, was sie gesehen und gehört haben. Sie beziehen sich also auf ihre Erfahrungen. Das macht das, wovon sie reden, für andere nachvollziehbar – anders als wenn sie nur etwas behaupten würden. Gleichzeitig gestehen sie anderen ein, eigene Erfahrungen zu machen. Darüber läßt sich ins Gespräch kommen. Das unterscheidet sie von Leuten, die nur mit Parolen, Slogans oder Behauptungen (manchmal auch frommen) um sich werfen.
Glauben kommt aus der Erfahrung und bezieht sich immer wieder auf das, was wir erleben. Sonst wird er leblos. Was meinen wir, wenn wir beispielsweise von Erlösung reden oder von Auferstehung? Welchen Bezug hat das zu dem, was wir Tag für Tag in unserer Welt gesehen und gehört haben?
Also: Was haben Sie zu sagen und einzubringen? Ich wünsche uns, daß unsere Antworten darauf unverwechselbar sind.

Weitere Andachten und Predigten in der Trinitatiszeit: hier
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