Samuel: ein Kind hört Gott reden

(1 Samuel 1-3) Ein Mann mit Namen Elkana hatte zwei Frauen, Hanna und Peninna. Hanna hatte kein Kind, Peninna hatte mehrere Töchter und Söhne und blickte hochmütig auf Hanna herab. Jedes Jahr zog die gesamte Familie zum Tempel in Schilo, um Gott zu danken und zu opfern. Danach setzten sie sich zu Tisch. Und sie erhoben die Hände zum lecker bereiteten Mahle. Elkana teilte das Fleisch selbst aus. Hanna, seiner Lieblingsfrau, legte er ein besonders schönes Stück auf den Teller. Hören wir, was die beiden miteinander reden.
Elkana: Hanna, meine Liebe, koste doch wenigstens dieses Jahr davon.
Hanna (Schluchzen)
Elkana
: Du bist so traurig und isst nichts. Hat Peninna dich wieder gekränkt?
Hanna: Nur weil sie Kinder hat und ich keine, tut sie mir so weh.
Elkana: Aber ich habe dich lieb. Bin ich nicht besser für dich als zehn Kinder? Weiterlesen

Werft sie in den Hexenturm! Szenisches Gedenken an die Hexenverfolgung

1. Verdächtigung (von 2 Stimmen zu lesen)
Die Ernte war so schlecht letztes Jahr, sie ist daran schuld.
     Die Ernte war so schlecht letztes Jahr, sie ist daran schuld.
Ich kann sie sowieso nicht leiden.
     Ich kann sie sowieso nicht leiden.
Sie ist eine Hexe.
     Sie ist eine Hexe.

2. Beschuldigung
Du bist eine Hexe, gestehe!
     Du bist eine Hexe, gestehe!
Werft sie in den Hexenturm! Weiterlesen

Schiffe im Advent – Liedpredigt

Wie gut, dass es Schiffe gibt. Sie sind die ältesten Fahrzeuge der Menschheit. Lange schon bevor Karren oder Wagen erfunden waren, befuhren die Menschen Flüsse und Meere, ja überwanden sogar die Entfernungen zwischen Kontinenten. Mit Schiffen gelangten sie in jene Fernen, in die ihre Füße sie nie hätten tragen können. Schiffe trugen sie in Länder, von denen sie träumten, und über Abgründe und Untiefen hinweg, die lebensgefährlich waren. Nicht nur Kinder können heute noch stundenlang am Strand oder am Hafen sitzen und den Schiffen hinterherblicken. Die spiegelglatten Weiten des Meeres oder die aufgewühlte See faszinierten auch Maler:innen.
Das Schiff ist ein Bild für Hoffnung und Träume. In der Sprache der Symbole ist es auch ein Sinnbild der Reise, des Unterwegsseins, des Übergangs, manchmal sogar des Übergangs vom Leben zum Tod. Wasser verbindet und Wasser trennt.

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Sicher nicht – oder? Friedensdekade 2023

Menschen brauchen Sicherheit, von Anfang an. Ein Baby ist darauf angewiesen, daß sich jemand kümmert, wenn es schreit, daß es gestillt und gewickelt, getröstet und geknuddelt wird. Wenn ein Kind geborgen aufwächst, kann es damit klarkommen, wenn etwas anders ist oder wenn etwas fehlt. Es wird nach und nach lernen, mit Ungewohntem umzugehen, wird Frustrationen überwinden und lernen, sich auf neue Situationen einzustellen. Menschen brauchen Sicherheit, auch als Erwachsene. Zu essen und ein Dach über dem Kopf haben sind Grundbedürfnisse, aber auch wahrgenommen und geachtet werden, mit anderen Menschen verbunden sein, Ziele haben, ein sinnvolles Leben führen und keiner Gewalt ausgesetzt sein. Wie wichtig das alles ist, merken wir oft erst, wenn etwas davon fehlt. Mit den Sicherheiten in der Gesellschaft ist es ähnlich. Weiterlesen

Erntedankfest mit Wein

Zum Erntedankfest stehen in vielen Kirchen Brot und Wein auf dem Altar. In unserer Kirche sind sogar die Pfeiler mit Weinlaub bemalt. Es rankt sich in die Höhe und trägt Blätter, Blüten und Früchte. Eine pralle Weintraube, das ist wie ein Traum. Davon erzählt auch die Bibel. Der Traum beginnt in Ägypten, in einer bitteren Zeit voller Tränen und Unterdrückung. Dort hatte der Pharao  die Israelit:innen versklavt. Sie stöhnten unter der Zwangsarbeit. Und Gott hörte ihre verzweifelten Klagen. Ich führe euch in die Freiheit, versprach er. Ich bringe euch  in ein Land, in dem ihr sicher leben könnt, ein Land, so fruchtbar, daß Milch und Honig darin fließen. Das gelobte Land. Weiterlesen

Halleluja und Amen: Vereinnahmung und Abwertung von jüdischem Glaubensgut durch christliche Tradition

In unseren Kirchen finden wir jüdische Symbolik. Das Tetragramm, die hebräischen Buchstaben יהוה für den Gottesnamen, war beliebt in Altären der Barockzeit. An der Kanzel sind jüdische Propheten dargestellt. In Gesangbuchliedern taucht der Gottesname auf („Dir, dir, Jehova, will ich singen“, im EG 328 schon ersetzt durch „du Höchster“). Amen, Halleluja, Messias – das sind Worte aus dem Hebräischen. Wie kommt es, daß unsere christlichen Tradition gleichzeitig über Jahrhunderte Antisemitismus befördert hat?
Ich glaube, es ist zweierlei passiert: Die Kirchen haben sich den jüdischen Glauben sowohl angeeignet und ihn gleichzeitig abgewertet. Weiterlesen

… sie versteckten sich im Wald bei Emseloh. Verfolgte Täufer*innen der Reformationszeit erzählen

Wir schreiben das Jahr 1535.
Petronella (P): Ich bin Petronella. Petronella aus Holdenstedt. Ich bin Bäckerin. Und das ist
Lukas (L): Lukas. Ich bin der Mann von Petronella. Ich bin Bäcker in Holdenstedt. Meine Frau Petronella hat sich von mir getrennt, nachdem sie sich von Alexander taufen lassen hat. Petronella und ich haben uns aber im Guten getrennt. Ich will nur nicht zu den Täufern gehören.
Margaretha (M): Ich bin Margaretha, die Muhme von Petronella. Ebenfalls aus Holdenstedt.
Georg Knoblauch (K): Und ich heiße Georg Knoblauch. Ich bin Schieferhauer im Bergwerk und komme aus Emseloh. Dort habe ich ein Haus. Aber die Späher von Herzog Georg sind hinter mir her.

P Bei uns in Holdenstedt fanden Versammlungen von Täuferinnen und Täufern statt, die von Alexander geleitet wurden. Alexander zog als Sendbote viel umher. Er hat uns zur Buße aufgerufen. Was er predigte, hat mich überzeugt – und meine Muhme Margaretha auch. Weiterlesen

Pride: Liebe tut der Seele gut

Liebe tut der Seele gut. Mit diesem Motto ist die Berliner Kirche seit ein paar Jahren auf dem CSD in der Hauptstadt dabei. Das ist doch nur ein schrilles, unpolitisches Event, kritisieren einige. Wirklich? Regelmäßig gibt es Streit um Regenbogenfahnen an Rathäusern. Weiterlesen

Lydia läßt sich taufen und leitet die erste Gemeinde in Europa

Seht ihr die Frau mit den roten Händen? Das ist Lydia. Lydia aus Lydien, aus Thyatira, einer Stadt in der Türkei. Dort stammt sie her. Lydia, die Lydierin. Früher war sie wahrscheinlich eine Sklavin. Aber irgendwie war sie freigekommen, so wie die anderen Frauen mit ihr. Gemeinsam hatten sie sich aus Thyatira über das Mittelmehr durchgeschlagen bis nach Europa, in die Stadt Philippi in Griechenland. Weiterlesen