Himmel auf Erden

Heute ist Himmelfahrt. Wenn wir heute auf einem Berg sitzen oder im Freien Gottesdienst feiern, dann ist das schon ein Stück Himmel. Himmel auf Erden. Wir können frei atmen, hören die Vögel und das Rauschen der Blätter. Wir sehen, hören, fühlen die Schönheit der Natur um uns herum. Wenn wir sie mit allen Sinnen aufsaugen, dann staunen wir. Manchmal ahnen wir ein wenig davon, wie diese Erde, wie diese Welt gemeint ist: als Himmel auf Erden. Dann wissen wir wieder, dass die Welt aus einem Traum geboren ist, aus einem kostbaren, wundervollen Traum Gottes und der Menschen, aus einem Traum, der wirklich werden soll. Als Himmel hat Gott sich diese Erde ausgedacht. Das ist das Ziel unserer Welt. Weiterlesen

Ostern: Menschen lernen sehen

In den Ostergeschichten fällt es den Menschen wie Schuppen von den Augen. Ich sehe was, was du nicht siehst. Die Frauen sehen in ihren Ängsten den zentnerschweren Stein – und als sie vor dem Grab ankommen, ist es  leer. Sie suchen nach einem Toten und finden das Leben. Maria aus Magdala begegnet dem Gärtner, und als  der sie mit ihrem  Namen anspricht – Maria – entpuppt er sich als Jesus. Die Jünger werfen die ganze Nacht im See Tiberias erfolglos ihre Netze aus und kommen ohne einen einzigen Fisch zurück. Ein Unbekannter am Ufer bittet sie um Essen und schickt sie noch einmal aufs Wasser. Als sie mit einem brechend vollen Boot heimkehren, hat der Unbekannte am Ufer  schon ein Feuer angezündet und ihnen Fische geröstet und Brot. Da sehen sie, daß es Jesus ist. So ist es auch bei Thomas. Oder den Emmaus-Jüngern. Die  Ostergeschichten erzählen von Menschen, die sehen lernen.

In den letzten Jahren erleben wir immer wieder, wie Menschen die Augen vor der Wirklichkeit verschließen. Weiterlesen

25. März: Marias Empfängnis, Hagar und die Leihmütter in der Ukraine

Am 25. März ist „Mariä Empfängnis“ oder „Mariä Verkündigung“. Der Engel Gabriel besucht Maria und setzt sie davon in Kenntnis, dass sie schwanger wird. Maria hat nicht mit einer Schwangerschaft gerechnet und bekommt einen Schreck: „Wie soll dies geschehen, da ich von keinem Mann weiß?“ (Lukas 1,34) Gottes Geistkraft wird auf sie herabkommen, beruhigt Gabriel sie. Zu Weihnachten, genau neun Monate später, wird Jesus geboren.
Maria wird nicht auf natürlichem Weg schwanger. Sie trägt ein Kind für Gott aus. Sie soll ihren Körper dafür zur Verfügung stellen, dass Gott einen Sohn bekommen kann, dass Gott ein Mensch werden kann. Maria ist buchstäblich eine Leihmutter Gottes. Weiterlesen

Berufung

Jesus beruft Matthäus. * Wie können Menschen heute ihre Berufung entdecken? Wie können sie den richtigen Weg für sich selbst finden? Wir bekommen das nicht beigebracht. Die meisten lernen im Gegenteil von klein auf, dass sie sich an anderen orientieren sollen. Schon im Kindergarten wird den Kindern gesagt: hör auf die Erzieherin, die Tante, die Erwachsenen. In der Schule sollen sie lernen, sich an den Lehrer:innen zu orientieren oder an Kindern, die „besser“ sind. Jugendliche sollen sich Vorbilder suchen. Immer andere. Sie sollen lernen, so zu werden und es so zu machen wie andere. Ihnen wird versprochen: Wenn du dich wirklich anstrengst, schaffst du es auch. Du musst nur richtig wollen. Bei den anderen klappt es ja auch. Also reiß dich zusammen. Sei konsequent. Dann wirst du Erfolg haben.
Doch sind sie das wirklich? Wer bringt ihnen bei, sie selbst zu sein? Wer lehrt sie darauf zu hören, was in ihnen steckt? Weiterlesen

Keine Diskriminierung!

Wie versteinert stand Emma da. Wieder einmal hatten sie ihr das hässliche Wort an den Kopf geworfen. Wieder einmal hatten sie ihr klargemacht: Du gehörst nicht dazu. Manchmal war es nur ein Blick, der Emma traf. Oder Leute drehten sich weg und grinsten sich an, wenn sie vorbeikam. Tausend kleine Nadelstiche hatten Emma gelehrt, dass sie anders war. Hier würde sie nie die gleichen Chancen haben. Sie würde nie so selbstverständlich über die Straßen bummeln können wie andere. Emma musste immer darauf gefasst sein, dass irgendwer ihr hinterherstarrte. Irgendwer, der sie nicht einmal kannte. Oder ausspuckte. Dabei war sie ein Mensch wie alle anderen auch. Weiterlesen

Hochzeit in Kana: Nicht verschoben

In Kana wurde die Hochzeit nicht verschoben wie viele Familienfeste bei uns in den Jahren von Corona. In Kana wurde gefeiert, richtig groß, tagelang und mit allem Drum und Dran. Die halbe Gegend war zu Gast und der Wein floss in Strömen. Wie groß die Hochzeit war, lässt sich aus den sechs riesigen steinernen Wasserkrügen erahnen, die in der Geschichte erwähnt werden. Das Wasser wird zur rituellen Handwaschung vor dem Essen benötigt. Jeder Gast braucht dafür einen Becher voll Wasser. Die Krüge fassen jeweils mehrere Eimer, und die sechs Wasserkrüge waren alle ausgeschöpft – es müssen also eine Menge Gäste dagewesen sein. So eine große Hochzeit in einem so kleinen Dorf – das erstaunt mich. Ich wundere mich und beginne zu fragen.

Wer hat diese Hochzeit überhaupt ausgerichtet? Weiterlesen

Konferenz im Himmel

Wie in jedem Jahr zu Weihnachten ließen sich die beiden Erzengel Bericht erstatten, wie die Menschen auf der Erde das Geburtstagsfest des Jesus-Kindes feiern. Freuten sich die Kinder? War Frieden auf der Erde eingezogen, wenigstens für ein paar Tage? Doch die Nachrichten, die 2021 zum Himmel drangen, verwirrten sie. Pandemie, auf der ganzen Erde, was ist denn das, erkundigte sich Gabriel.  Und haben sie wirklich noch keine Medizin dagegen erfunden, bohrte Raphael weiter.
Einer der Boten schüttelte betreten den Kopf. Ein winziges Engelchen mit zerzaustem Kopf drängelte sich vor. Sie haben aber eine Impfung, krähte es. Da lassen sich jetzt alle impfen, sinnierte Gabriel. Das Zausköpfchen nickte eifrig und plapperte: In langen Schlangen stellen sie sich an. Doch der andere Bote schubste es zur Seite. Nein, sie protestieren dagegen, widersprach er. Was denn nun, lassen sie sich impfen oder nicht?  Raphael und Gabriel wurden daraus nicht schlau. Sie beschlossen, das Thema vorerst ruhen zu lassen.

Weitere Meldungen, klopfte Gabriel auf den Tisch. Weiterlesen

Johannes, Gefangener

Johannes gehört zu den Menschen, die unschuldig im Gefängnis sitzen. Ab ins Gefängnis. Das kam fast die ganze Menschheitsgeschichte hindurch einem Todesurteil gleich. Für uns heute scheint selbstverständlich, dass der Strafvollzug auf einem Rechtssystem beruht und dass die Justiz unabhängig ist und die Richter*innen nicht bestechlich.  Gefangene haben das Recht auf Verteidigung und auf menschenwürdige Behandlung. Sie können in Berufung gehen, bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.
Das alles gab es zu Zeiten von Johannes dem Täufer nicht. Wer ins Gefängnis kam, musste sich auf ein baldiges und grausames Ende gefasst machen. Weiterlesen

Lucia – die Rache des Ex

Spinne Erzgebirge

Am 13. Dezember ist Lucia-Tag. Lucia stammte aus Syrakus und wurde dort auf Betreiben ihres Verlobten um 310 hingerichtet, weil sie ihn nicht heiraten wollte. In Heiligenlegenden taucht immer wieder dieses Motiv auf, daß eine Frau sich weigert zu heiraten und deshalb ermordet wird. Verheiratet sein bedeutete für Frauen in den vergangenen Jahrhunderten (und in vielen Ländern bis heute) einen radikalen Verlust an Autonomie. Weiterlesen