Anna Maria Müller – eine Sangerhäuser Pfarrfrau (Spielszene)

Wie oft habe ich hier gesessen und zur Kanzel hochgeblickt. Dort oben hat mein Mann gepredigt, Samuel Müller, Superintendent und Stadtchronist. Weiterlesen

Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet

Haben Sie einen folgsamen Chef, der immer einverstanden ist mit dem, was Sie sagen? Nein? Dann scheuern Sie ihm doch mal eine! Links und rechts – lassen Sie Ihre Wut richtig raus! Sie werden merken, dass es Ihnen danach besser geht; Aggressionen müssen schließlich raus.
Auf diesen Gedanken sind Sie wahrscheinlich noch nie gekommen. Nicht weil alle Chefs so einsichtig sind, sondern weil es sich nicht gehört, dass wir Konflikte so austragen. Weiterlesen

Meine Suppe eß ich nicht

Meine Suppe eß ich nicht, schüttelte die Prinzessin ihren Kopf und schob den Löffel weg. Ein Stöhnen ging durch die Tischgesellschaft. Die Mutter des Landgrafen runzelte missbilligend die Stirn und zischte ihren Sohn an: Ruf sie zur Ordnung. Doch der saß seelenruhig in der Mitte der Tafel und hielt die Prinzessin – pardon die Landgräfin, denn sie hatten jüngst geheiratet – bei der Hand. Er wusste, warum sie nicht essen wollte. Auch die gesamte Hofgesellschaft hoch oben auf der Wartburg wusste, dass Prinzessin Elisabeth keineswegs mäkelte.
Vielmehr fragte sie bei jedem Gericht: Woher kommt es? Weiterlesen

Abigail: Frieden geht durch den Magen

Abigail erschrak zu Tode, als die Leute ihr erzählten, wie ihr Mann Nabal sich wieder einmal aufgeführt hatte. Nabal mit seinem Dickkopf war unberechenbar. Oft schon hatte Abigail hinter den Kulissen ausbügeln müssen, wenn er die Leute vor den Kopf gestoßen hatte. Aber diesmal hatte er das ganze Dorf in Gefahr gebracht. Als Davids Schutztruppen den jährlichen Tribut abholen wollten, hatte Nabal einfach nicht gezahlt. Aus purem Geiz und weil er der Herr im Haus war. Das war gefährlich. Weiterlesen

Haus – Gemeinde – Gemeindehaus

Das Christentum begann in den Häusern. Es kommt aus den Häusern in Jerusalem, Antiochia, Joppe. Das Haus von Maria und ihrer Sklavin Rhode, von Hananias und Saphira, von Tabita in Joppe, der Witwen in Jerusalem. Bei ihnen, in ihren Häusern sammelten sich die ersten Gemeinden und breiteten sich aus, nach Antiochia, nach Syrien, schließlich nach Europa – zu Lydia in Philippi, der ersten europäischen Christin, zu Priska und Aquila in Korinth, bis nach Rom, zur Apostelin Junia und ihrem Mann Andronikus. Die Frauen, denen der Auferstandene die Botschaft am Ostersonntag auftrug: Geht nach Galiläa, sie haben ihren Auftrag erfüllt.
Später trafen sich die Gemeinden im Umfeld von Synagogen und Katakomben. Erst viel später bauten sie Kirchen. Und Klöster. Und Paläste. Und Residenzen, wie die Neue Residenz in Halle. Weiterlesen

Catharina und ihre Gäste

Catharina und ihre Gäste – Szenische Gottesdienste zur Eröffnung und zum Abschluss der Wanderausstellung „Frauen der Reformation in der Region“
Ähnlich wie die Friedliche Revolution von 1989 war auch die Reformation nicht nur das Werk von Martin Luther oder einiger bekannter Namen wie Justus Jonas, Johannes Bugenhagen oder Johannes Calvin. Sie wurde stattdessen von vielen Menschen aufgenommen, getragen und vorangetrieben. Die Ausstellung zeigt einige, wenige der vielen Frauen, die in der Zeit der Reformation ebenso mutig, beharrlich und durchsetzungsstark gehandelt haben wie die Männer und dazu beigetragen haben, daß die Reformation sich durchsetzen konnte. Solche Frauen haben auch hier, in und um Sangerhausen, in unserem Landkreis, gelebt und gewirkt. Sie kommen aus Liedersdorf, Allstedt oder Stolberg. Aber bis jetzt hat kaum jemand Notiz von ihnen genommen. Die Ausstellung rückt die Frauen aus dem Schatten in unser Bewußtsein und korrigiert unser Bild von Reformation als Heldengeschichte. Weiterlesen

Brotwerdung Gottes

Ich bin das Brot, das vom Himmel herabsteigt. Das Brot steigt vom Himmel herab. Kann Brot herabsteigen? Was für eine urtümliche Vorstellung! Stammt sie aus Zeiten, in denen Bäume und Tiere sprechen konnten, die Quellen Zauberworte murmeln und eine Blume eine Tür zu öffnen vermag?  Die Erde tut ihren Mund auf, das Blut des erschlagenen Bruders ruft zum Himmel um Hilfe und die Wolken regnen Gerechtigkeit herab auf die Menschen.
Das Brot steigt vom Himmel herab. Das Bild von Jesus versetzt uns in andere Zeiten, in eine andere Welt.
Aber die Zeiten damals, sie waren keineswegs wundersam, sondern hart und bitter. Das Brot war kostbar für die, die nichts zu beißen hatten. Die Luft war erfüllt von Schweiß und Tränen, sie hallte wider von den rauen Befehlen der römischen Soldaten, von Peitschenknall und dem Schluchzen der Armen. Weiterlesen

Schwarz bin ich und schön – Predigt zum Valentinstag

Schwarz bin ich und schön (Hoheslied 1,5). Manche der Gedichte könnten gestern geschrieben worden sein. Andere Bilder wirken doch sehr fremd. Das „Lied der Lieder“ („Hoheslied“) ist eine Sammlung orientalischer Liebeslyrik, zwischen 2 ½ tausend und 2100 Jahren alt. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, stürmend herab vom Berg – wir würden Schönheit heute anders beschreiben. Aber die Gefühle sind die gleichen. Meinem Geliebten gehöre ich und mein Geliebter mir. Weiterlesen

Der Tod tröstet. Predigt zum Totensonntag mit einem Bild von Käthe Kollwitz

Eine junge Frau geht nach Berlin, in die Hauptstadt, wo etwas los ist. Sie heiratet dort. Ihr Mann hat Medizin studiert. Nach einem Jahr kommt ein Kind, ein Sohn, vier Jahre später ein Geschwisterchen. Die junge Familie zieht in den Prenzlauer Berg. Ihr Mann eröffnet eine Arztpraxis. So lernt auch sie die Leute kennen, einfache Leute. Sie sieht auch viel Elend. Das prägt sie. Sozialkritisch sei sie, wird ihr nachgesagt. Als sie mit 31 Jahren für eine Auszeichnung vorgeschlagen wurde, verhindert das die Regierung: zu unangepasst sei sie, nicht gesellschaftsfähig. Weiterlesen