Angespuckt

Anfang Mai neben dem Ratskeller.  Ein Jugendlicher fährt auf dem Rad an mir vorbei. Plötzlich spuckt er aus. Kräftig. Aber er zielt nicht auf die Erde. Er spuckt auf die Judengedenktafel, blitzschnell und voller Verachtung. Fassungslos starre ich auf die Tafel am Rathaus. Sie soll an die jüdischen Bewohner erinnern, die aus Sangerhausen vertrieben wurden. Zäh glänzt jetzt Schleim darauf. Er hat die Leute bespuckt, denke ich. Weiterlesen

Goldene Konfirmation: Last und Chance der Kriegskinder

Predigt zur Goldenen und Diamantenen Konfirmation über Ezechiel 18: Die Eltern haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden

Zehn Jahre Unterschied trennen Sie, aber im Grunde gehören Sie zwei Generationen an. Die einen sind die Kriegskinder, die anderen die Nachkriegskinder. Die Diamantenen Konfirmand_innen sind um 1940, 1941 geboren. Als kleine Kinder, also in den prägenden ersten Lebensjahren, kannten sie nichts anderes als den Krieg. Abends wird verdunkelt. Wenn die Sirenen heulen, geht es schnell in den Keller. Viele wuchsen ohne Väter auf. Sie stützten ihre Mütter in der Nachkriegszeit und trugen Verantwortung für die kleineren Geschwister.
Die Goldenen Konfirmand_innen gehören zur ersten Generation, die im Frieden aufgewachsen ist. Weiterlesen

Abigail: Frieden geht durch den Magen

Abigail erschrak zu Tode, als die Leute ihr erzählten, wie ihr Mann Nabal sich wieder einmal aufgeführt hatte. Nabal mit seinem Dickkopf war unberechenbar. Oft schon hatte Abigail hinter den Kulissen ausbügeln müssen, wenn er die Leute vor den Kopf gestoßen hatte. Aber diesmal hatte er das ganze Dorf in Gefahr gebracht. Als Davids Schutztruppen den jährlichen Tribut abholen wollten, hatte Nabal einfach nicht gezahlt. Aus purem Geiz und weil er der Herr im Haus war. Das war gefährlich. Weiterlesen

Josef, ein Flüchtling. Erntedankfest und Tag des Flüchtlings

Familiengottesdienst zum Erntedankfest und zum Tag des Flüchtlings

Kennt ihr die Geschichte von Josef, dem Jungen, den seine Geschwister halbtot geschlagen, verkauft und abgeschoben haben? Josef hatte eine große Familie: Jacob, der Vater, 3 Stiefmütter, 10 Stiefbrüder und der kleine Benjamin. 12 Jungs waren sie, wenn alle Geschwister an einem Tisch saßen. Josef träumte davon, im Mittelpunkt zu stehen. Er war etwas Besonderes. Josefs richtige Mutter war gestorben. Der Vater Jacob hing immer noch sehr an ihr und hatte ihr Bild vor Augen, wenn er Josef sah und den kleinen Benjamin. Alle wußten das. Weiterlesen

Asenat, die Frau von Josef

Spielszene beim Erntedankfest und Tag des Flüchtlings mit zwei Personen (M: Interviewerin  A: Asenat)

M: O, wer kommt denn da? Das ist ja jemand aus ganz vornehmer Familie. Sie bewegt sich wie eine Priesterin. Und der teure Duft – schweres ägyptisches Parfüm. Also in die Kirche gehört sie nicht.
A: Du hast recht. Ich komme aus höchster Familie. Und mein Vater ist Priester, ägyptischer Priester.

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Katharina Zell – Straßburger Pfarrfrau und Predigerin der Reformation

Die traut sich was, steckten die Bürgersfrauen am Portal des Straßburger Münsters die Köpfe zusammen, so jung und schreibt dem Bischof kritische Briefe! Die, das war Katharina, die Tochter von Schreinermeister Schütz. Ohne Frage, Kathrina war schon als Kind ungewöhnlich aufgeweckt und wissbegierig. Ihre Eltern förderten sie, finanzierten sogar Griechischunterricht. Weiterlesen

Samuel Müller, Superintendent und Stadtchronist – 350. Todestag am 22.7.2012

Heute vor 350 Jahren starb der Superintendent und Chronist Samuel Müller. Sein Epiptaph ist das zweite links vom Altar. Wir erinnern in diesem Gottesdienst an ihn und werden danach aus seiner Chronik lesen.

Die Erinnerung ist ein eigen Ding. Es ist manchmal merkwürdig, was uns im Gedächtnis haften bleibt von all dem, was uns verwundert, erfreut oder verletzt hat, und es ist ebenso merkwürdig, was uns entfällt oder was sich im Rückblick verschiebt. Vieles verdrängen wir, in unserem Leben, aber auch als Volk, als christliche Kirche; manches möchten wir gern vergessen und können es nicht, können es noch viel weniger ungeschehen machen. Weiterlesen

Samuel Müller, Superintendent und Stadtchronist (Spielszene)

Spielszene: Samuel Müller (S) und seine Frau Anna-Maria Müller (A)
Lied: EG 321,1-3 Nun danket alle Gott

S (bewegt und erfreut): Bekannte Klänge ! Und bekannte Worte!  (schaut sich um, staunt) Es hat sich fast nichts verändert!!
A Jetzt übertreibst du aber! Wenigstens diese Leute sind doch völlig unbekannt!! Stelle dich doch wenigstens einmal vor!
S: Samuel Müller. 1592 geboren. Seit 1625 Superintendent von Sangerhausen, 37 Jahre lang. Am 22. Juli 1662 gestorben.
A Anna Maria Müller. Geboren um 1600. Ich habe 27 Jahre länger als du gelebt und kann dir noch einige Neuigkeiten erzählen. Ich war es auch, die deinen Grabstein gesetzt hat. Siehst du, dort drüben. Der ist neu. Den kennst du noch nicht. Weiterlesen