Wie werden Menschen mutig? Predigt zu Invocavit über 2 Kor 6,1-10

Im August 1995 erscheint in Malaysia ein Bericht, der die Regierung in Angst und Schrecken versetzt. Er trägt den sperrigen Titel “Missbrauch, Folter und entwürdigende Behandlung von Gastarbeitern in Internierungslagern”. Was die Regierung so in Rage bringt: Der Bericht der Frauenrechtsorganisation Tenaganita ist wahr. Es hat sogar Todesfälle in Abschiebelagern gegeben, 42 an der Zahl. Weiterlesen

Über den Mut, Nein zu sagen. Predigt zu Mt 21,28-31

Liebe Gemeinde, so etwas ist Ihnen allen sicher schon passiert: Sie haben mit jemandem etwas verabredet und dann werden Sie versetzt. Das ist ärgerlich. Da hat Ihnen jemand versprochen, in der Wohnung etwas zu reparieren: „das kriegen wir schon hin“, oder Sie in einer kniffligen Angelegenheit bei einem Amt zu unterstützen: „Ja, ja, das machen wir“, hat großspurig alle Zweifel vom Tisch gewischt. Und wer war nicht da, als es konkret wurde?? Aber vielleicht haben Sie’s auch schon andersherum erlebt: Sie haben um Hilfe gebeten und eine glatte Absage geerntet: Nein, da führt kein Weg hinein, auf keinen Fall. Und als Sie sich schon damit abgefunden hatten – was bleibt anderes übrig – kommt genau dieser Mensch und sagt: ich hab was für Sie. Oder: füllen Sie mal den Antrag aus. Das gibt’s auch, zugegebenermaßen seltener. Weiterlesen

Schwert des Glaubens? Ent-rüstet euch!

Eisenmann, stahlharter Ritter mit dem Schwert in der Hand, was treibt dich hierher?
Bis an die Zähne bewaffnet – warum verbirgst du dich hinter deinem Visier? Ich kann deine Schritte hören, dein Harnisch scheppert bei jedem Tritt.
Kommst du aus dem Mittelalter oder bist du dem letzten Science-Fiction-Film entsprungen?
Wovor fürchtest du dich so sehr, dass du dich in einem Panzer aus Eisen versteckst, säbelrasselnd, um die Angst zu übertönen – deine eigene?
Warum bist du so erstarrt in deiner Rüstung? Weiterlesen

Demut und Widerstand. Predigt zu 1. Petrus 5

Umfrage in einer Gemeinde um das Jahr 100, irgendwo in Anatolien: Was beschäftigt Sie heute am meisten?
Hermes (38, Sklave): Manchmal kann ich es dem Patron überhaupt nicht recht machen. Heute war er wieder schlecht drauf: mal hü, mal hott, auch wenn es widersinnig ist. Ich habe heute viele Schläge kassiert. Aber ich darf mich nicht beschweren.
Sophia (42, Ehefrau): Daß ich so abhängig bin, macht mich bitter. Mein Mann ist ein freier Bürger und er ist sehr stolz darauf. Hungern müssen wir auch nicht. Aber ich bin nicht frei. Er bestimmt. Auch über mich. Ich darf nichts ohne seine Erlaubnis. Weiterlesen

Die Mauer weglachen. Andacht am 9. November 2009

Witze sind die Waffe der Unterdrückten. Sie haben etwas Subversives. Sie untergraben die Autorität, nehmen sie einfach nicht mehr ernst, pfeifen auf die Regierung, entlarven ihr hohles Gerede, nehmen ihr Ende vorweg.
Witze sind die Waffe der Machtlosen, die nichts in der Hand haben, die keinen Druck ausüben können, nicht streiken, nicht demonstrieren, denen die Möglichkeit oder der Mut zum offenen Protest fehlt. Sie sind gewaltlos, wie Kerzen und Gebete. Weiterlesen

Maria von Magdala und das Tabu, psychisch krank zu sein

Eine Frau, die sich im Internet Susanne nennt, schreibt über ihre Depressionen:
„Manchmal wird meine Krankheit zum Gefängnis. Ich fühlte mich wie ein Hamster im Laufrad. Seit Jahren mache ich Therapie, nehme ich Medikamente, arbeite an meinem Verhalten und an meiner Symptomatik ändert sich doch nichts. Noch immer muss ich die Auslöser für meine Depression meiden wie der Teufel das Weihwasser, noch immer bin ich nicht in der Lage, mich an einen Arbeitsplatz zu binden, noch immer leide ich unter massiver Angst vor Nähe. Es gibt Momente, in denen mir mein Leben nicht mehr als lebenswert erscheint. Dann kommen sie, die Gedanken an den Tod. Weiterlesen

Günther Dehn: „Gefallen für Volk und Vaterland“ – höchstes Zeichen christlicher Liebe?

Ein Vers aus dem Johannesevangelium hat vor  fast 100 Jahren deutschlandweit für Aufregung gesorgt, und der Ausgangspunkt war ganz in unserer Nähe, in Magdeburg. Es war die Zeit nach dem 1. Weltkrieg, in der Gefallenendenkmäler errichtet wurden. Auch in unserer Kirche hingen Tafeln mit Soldatenbildern. Erst beim Kirchenbrand 1971 sind sie verschwunden. Unseren Großeltern und Urgroßeltern wurde beigebracht, Kirche, Volk und Vaterland in einem Atemzug zu nennen. Sterben im Krieg wurde als christliche Pflicht und Ausdruck von Nächstenliebe gedeutet. Und der Bibelvers dazu lautete: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“. (Johannes 15,13) Weiterlesen

Martin Luther King

Liebe Schwestern und Brüder, das ist einer der großen Träume der Menschheitsgeschichte, Martin Luther Kings Worte auf dem Marsch nach Washington 1963. Vor 50 Jahren begann dieser Traum wahr zu werden.
Er begann, Gestalt anzunehmen – nicht mit einer Umwälzung von oben, einer Regierungsumbildung, neuen Gesetzen oder einem internationalem Gipfeltreffen. Noch durch einen Aufruhr oder eine Revolte von unten, Gewalt und Blutvergießen. Er begann am 1. Dezember 1955, mit einer Frau, die müde von der Arbeit kam. Weiterlesen

Unserer Berufung folgen

Eltern sollen sich frühzeitig um die Karriere ihrer Kinder kümmern. Schon in der Grundschule, ja im Kindergarten müssen die Weichen gestellt werden, bei den Fächern, die sie belegen, bei den Arbeitsgemeinschaften. Wenn später in der Schule Praktika anstehen, sollen die Jugendlichen schon in Betracht ziehen, wie diese sich günstig in der späteren Berufsbiographie ausnehmen. Und dann heißt es: zielgerichtet Baustein zu Baustein fügen. Umwege, Zeit zum Suchen und Fragen, Verzögerungen – das alles ist verlorene Zeit. Weiterlesen