Zwei oder drei in Jesu Namen

Der Genosse drohte: „Herr Pfarrer, kümmern Sie sich in der Kirche um Ihre Religion und stellen nicht die Politik der Partei– und Staatsführung in Frage. Konzentrieren Sie sich in Ihrer Kirche auf das Beten. Für die sozialistische Gesellschaftsordnung sind wir zuständig. Dann werden wir uns besser verstehen und Sie bekommen auch Material für Ihr Kirchendach.“ Nicht nur der Pfarrer bekam das zu hören. Auch Gemeindemitgliedern wurde immer wieder vorgeworfen, sie mißbrauchten ihren Glauben, wenn sie sich einmischten. Doch Beten und im Namen Jesu zusammen sein beschränkt sich nicht auf eine Stunde am Sonntag Morgen.
Jugendliche trugen den Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ am Ärmel und lösten in der Schule Diskussionen aus. Weiterlesen

Beten: die unverschämten Forderungen der Armen

Jesus erzählt aus der Welt der Armen. Von ihrer Not, von ihrer Freundschaft und von ihrer Solidarität.
Nichts zu essen im Haus, kein Krümelchen Brot, nicht für die Familie und schon gar nicht für unerwarteten Besuch. Für einen Freund, der mitten in der Nacht vor der Tür steht.
Kein Bett bei den anderen. Abends werden Matten auf den Fußboden gebreitet. Und die Wohnung ist ein enges Loch, so dicht liegen alle nebeneinander. Selbst die Erwachsenen können sich nicht zur Tür tasten und sie öffnen, ohne alle aus dem Schlaf zu reißen. Wer nachts mal raus muß, hat schlechte Karten und muß bis zum Morgen aushalten. Weiterlesen

Gender Pay Gap: Von Frauengeld und Notgroschen

Reden wir über’s Geld. Oder lieber nicht. Über Geld spricht man nicht. Nicht darüber, was wir verdienen. Und auch nicht darüber, was wir in den Klingelbeutel werfen. Wir erzählen nicht so gern darüber, was jeden Monat auf unserem Konto ankommt. Und nicht alle finden es gut, wenn im Gottesdienst das Kollektenkörbchen herumgeht und alle sehen können, wie viel die anderen hineinwerfen. Es soll Unternehmen geben, die ihren Beschäftigen sogar verbieten, sich über ihren Lohn auszutauschen. Die, die weniger bekommen, könnten sich empören. Weiterlesen

Das andere Betlehem – Veränderung beginnt an der Peripherie

Spinne Erzgebirge

Es war viel los an diesem ersten Heiligabend in Bethlehem. Die Beamten schwitzen über Steuerlisten und Statistiken. Überall mussten die Abrechnungen noch fertig werden. Viele hatten Freunde und Verwandte zu Besuch, und die Gäste wollten alle versorgt sein. Die Kinder freuten sich über die Abwechslung und die Alten über Gesichter, die sie seit Ewigkeiten nicht gesehen hatten. Die Frauen backten Brot, die Kinder wurden ausgeschickt, Feuerholz zu suchen. Ein kleiner Junge hatte sich das Knie aufgeschürft und weinte. Weiterlesen

Gottesdienst zum Tag gegen die Todesstrafe

Haben Sie mitbekommen, welcher Gedenktag gestern war? Nein?? Am 10. Oktober ist weltweiter Tag gegen die Todesstrafe. Kaum jemand weiß das. Auch ich habe es nur erfahren, weil auf dem Kirchentag ein Stand war von Christinnen und „Christen für die Abschaffung der Folter“ (ACAT). Das gehört wohl dazu. Über Folter und Todesstrafe wird nicht gern geredet. Es ist ein Thema, über das wir schweigen. Und auch ihre Opfer werden verschwiegen. Sie sitzen in einsamen Kellern, in schallgeschützten Verliesen und Gefängnissen. Ihre Schreie dringen nicht nach außen. Die Öffentlichkeit bekommt nichts davon mit. Oft will sie das auch gar nicht. Es ist kein Thema, mit dem wir uns gern beschäftigen. Weiterlesen

Herz-Schätze

Auf dem Nachttisch meiner Oma standen ein Wecker und eine Keksdose. Letzterer galt mein besonderes Interesse. Die Dose glänzte und beinhaltete Plätzchen mit einem roten Marmeladenpunkt in der Mitte. Zu besonderen Gelegenheiten durfte ich den Deckel aufmachen und ein Plätzchen naschen. Für die Oma dagegen war der Wecker wichtig. Nicht nur weil er schön laut klingelte. „Der ist noch aus der Heimat“, sagt sie immer.
Die Heimat gab es nicht mehr. Weiterlesen

Zeitarbeiter und Grundeinkommen: die Arbeiter im Weinberg heute (Matthäus 20)

Sonniger Oktober in Malta, auf unserer Gemeindefahrt. Haben Sie eben die Leute am Straßenrand bemerkt, fragte unser Reiseleiter? Aus dem Busfenster sah ich sie gerade noch, auch einige Afrikaner dabei, die neben einer Haltestelle herumstanden, bei der nächsten Kreuzung noch ein paar, einzeln oder in kleinen Grüppchen. Es sind Tagelöhner, erklärte der Reiseleiter. Sie warten auf Arbeit. Sie hoffen, dass jemand vorbeikommt und sie braucht. Ob sie heute noch eine Chance haben? Immerhin war schon später Vormittag, nach biblischer Zeitrechnung 5. oder 6. Stunde. Weiterlesen

Tierweihnachten

Ich habe ein Schaf mitgebracht. Ein Schaf von den Hirten auf dem Feld. Zur Weihnachtsgeschichte gehören die Tiere dazu. Die Hirten haben in der Nacht ihre Herden bewacht. Schafherden. Sicherlich hatten sie auch Hunde dabei. Und im Dunkel der Nach verbarg sich vielleicht auch ein Tier, das hungrig war und gern ein Lamm gerissen hätte, ein Wolf, vielleicht auch ein Bär. Weiterlesen

Presente! Osterpredigt

Ostermorgen in einer einfachen Kirche in Lateinamerika. Die Leute stehen dichtgedrängt. Eine Liste mit Namen wird vorgelesen, einer nach dem anderen. Manchmal schluchzt jemand auf. Es ist die bedrückende Liste mit Namen von Menschen, die getötet sind oder verschwunden: erschossen, mit Folterspuren tot aufgefunden, auf einen Lastwagen gezerrt und nie wieder aufgetaucht, festgenommen und in Gefängnissen verschwunden. Carlos, Eva, Oscar. Weiterlesen