Der Tod tröstet. Predigt zum Totensonntag mit einem Bild von Käthe Kollwitz

Eine junge Frau geht nach Berlin, in die Hauptstadt, wo etwas los ist. Sie heiratet dort. Ihr Mann hat Medizin studiert. Nach 1 Jahr kommt ein Kind, ein Sohn, 4 Jahre später ein Geschwisterchen. Die junge Familie zieht in den Prenzlauer Berg. Ihr Mann eröffnet eine Arztpraxis. So lernt auch sie die Leute kennen, einfache Leute. Sie sieht auch viel Elend. Das prägt sie. Sozialkritisch sei sie, wird ihr nachgesagt. Als sie mit 31 Jahren für eine Auszeichnung vorgeschlagen wurde, verhindert das die Regierung: zu unangepasst sei sie, nicht gesellschaftsfähig. Weiterlesen

Erschossene Teenager, tote Kinder, verwaiste Eltern – der junge Mann aus Nain Lk 7,11-13

[Der Predigttext wird erst während der Predigt verlesen.]
„Chicago ist eine Stadt voller Mauern. Wenige von ihnen sind sichtbar. Einige sind fühlbar, man kann sie erahnen wie ein Hologramm im Dämmerlicht. Sie schlängeln sich durch Bezirke und zwischen Bezirken, grenzen weiße von schwarzen und Latinovierteln ab, die reichen von den armen. Die unsichtbaren Mauern sehen nur jene, die in unmittelbarer Nähe leben.“ [Rieke Havertz: Eine Knarre für 200 Dollar. taz 23.8.2013] Weiterlesen

Christus im Gefängnis. Osterpredigt

Sie haben ihn ins Gefängnis geworfen. In ein schwarzes, gähnendes Loch, zu den Ratten, die durch das vermodernde Stroh huschen, zu den Elenden und Vergessenen, denen die Augen trüb geworden sind und die Haare verfilzt und verlaust. Wenn hier jemand überlebt, ist es die Hoffnungslosigkeit.
Sie haben ihn ins Gefängnis geworfen. So malt ihn Johannes Rosenau 1445, im stolzen Hermannstadt oder Sibiu, der prächtigen Hauptstadt Siebenbürgens, weit im Osten der christlichen Welt. Weiterlesen

Totensonntag: Stadt der Träume (Offb 21,1-7)

Liebe Gemeinde, wo ist der Nabel der Welt? Wenn wir einen Juden oder eine Jüdin fragen würden, was die Stadt der Städte ist, würde sie antworten: Jerusalem. Nicht New York, nicht London, Paris oder Berlin, sondern Jerusalem. Dorthin hat Gott sie geführt, dort ist der Berg Zion, der Gottesberg, dort regierten David und Salomo, sind die Zinnen des Tempels und heute noch die berühmte Westmauer. Dort, im Tal Kidron, wird die Auferstehung der Toten beginnen. Abraham opferte Isaak auf dem Felsen Moria. An dieser Stelle stand einst der Tempel und heute der Felsendom, die Omar-Moschee. Nach einer Vision fuhr von dort der Prophet Mohammed gen Himmel. Weiterlesen

Gottesdienst zum Tag gegen die Todesstrafe

Haben Sie mitbekommen, welcher Gedenktag gestern war? Nein?? Am 10. Oktober ist weltweiter Tag gegen die Todesstrafe. Kaum jemand weiß das. Auch ich habe es nur erfahren, weil auf dem Weimarer Kirchentag ein kleiner Stand war von Christinnen und „Christen für die Abschaffung der Folter“ (ACAT). Das gehört wohl dazu. Über Folter und Todesstrafe wird nicht gern geredet. Es ist ein Thema, über das wir schweigen. Und auch ihre Opfer werden verschwiegen. Weiterlesen

Ich lebe und ihr sollt auch leben (Johannes 14,19)

Welch merkwürdige letzte Worte! Auf dem Totenbett sollen Goethes letzte Worte gewesen sein: Mehr Licht. Im Volkslied heißt es: Ich wäre ja so gerne noch geblieben, aber der Wagen, der rollt.
Wie werden wir uns einmal aus diesem Leben verabschieden? Noch nicht! oder Warum?! – weil so vieles ungelebt und liegengeblieben ist und wir uns zu viel mit Nebensächlichem abgegeben haben? Wenn es doch endlich zu Ende wäre! – weil das Leben nicht mehr auszuhalten war? Oder gar nicht, weil Tod und Sterben ein zu großes Tabu sind und weder wir noch unsere Nächsten es wagen, über den Abschied zu sprechen, der unweigerlich kommt? Weiterlesen

Michael, der Seelenwäger. Predigt am Totensonntag

Liebe Gemeinde, sehen Sie links oben sehen die Reste des Wandgemäldes? Es ist ein Engel im wallenden Gewand. Doch er ist anders als die Engel auf Weihnachtsbildern dargestellt, auf unserer Kanzel oder an der Orgel. Er trägt eine Waage in der Hand und ein Schwert ist zu sehen. Er ist nicht lieblich, sondern zeigt ein anderes Gesicht. Es ist Michael, der Erzengel, oder auch Michael, der Seelenwäger. Waage und Schwert sind meist das Attribut der Gerechtigkeit, die nicht nach dem Ansehen urteilt. Hier, bei Michael, erinnert es an den Tod. Weiterlesen

Presente! Osterpredigt

Ostermorgen in einer einfachen Kirche in Lateinamerika. Die Leute stehen dichtgedrängt. Eine Liste mit Namen wird vorgelesen, einer nach dem anderen. Manchmal schluchzt jemand auf. Es ist die bedrückende Liste mit Namen von Menschen, die getötet sind oder verschwunden: erschossen, mit Folterspuren tot aufgefunden, auf einen Lastwagen gezerrt und nie wieder aufgetaucht, festgenommen und in Gefängnissen verschwunden. Carlos, Eva, Oscar. Weiterlesen