Elisabeth: die Menschen froh machen

Die Welt verbessern kann ziemlich anstrengend sein. Auch für die „Objekte“ des Bemühens. Sie werden oft nicht einmal nach ihren Vorstellungen gefragt. So mancher Versuch wurde zur Zwangsbeglückung und hat Kleingeist und Bespitzelung kultiviert. Inquisitoren und Gotteskrieger glauben, dass sie Gottes Willen erfüllen. Ob sie die Menschen damit erfreuen, das fragen sie sich nie. Darum geht es ihnen nicht. Sie reißen lieber sich und andere in den Tod.
Elisabeth von Thüringen hat über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Menschen inspiriert. Doch wie sie ihren Glauben verstand, ist mir manchmal auch sehr fremd. Sie missachtete ihren Körper, geißelte sich und wählte als Beichtvater Konrad von Marburg, einen fanatischen Inquisitor. Umso mehr beeindruckt mich einer der wenigen Sätze, die von ihr überliefert sind: „Seht, ich habe euch immer gesagt, ihr sollt die Menschen froh machen.“
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Osterlamm

Ich habe noch einmal das Schaf von Weihnachten mitgebracht. Es ist das Schaf von den Hirten auf dem Feld und von den Tieren in der Krippe, inmitten derer das Kind geboren wurde und zu denen es kam, damit Frieden auf Erden werde für alle Kreatur. Mit Schafen hat es angefangen.
Am Ende, am Karfreitag soll er selbst das Schaf sein. Weiterlesen

Fußwaschung am Gründonnerstag: Rollentausch

Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße. Diese Geschichte wird nur von Johannes erzählt. Sie steht bei ihm an der Stelle des Abendmahls. Sie hat für ihn also einen so hohen Stellenwert wie das Abendmahl. Was kann das bedeuten?
Anderen die Füße waschen, das war in der Antike eine Tätigkeit für Sklaven und Frauen. Es drückt eine Hierarchie aus. Jesus tut Frauenarbeit. Weiterlesen

550 Jahre Jacobikirche

Spielszene am 1. April 2007

Rat, Meister Heinrich, Altarleute

Rat: Meister Heinrich! Wir, der Rat von Sangerhausen und die Altarleute von St. Jacobi, haben euch rufen lassen. Wir wollen die Jacobikirche neu errichten. Ihr seht selbst (zeigt mit dem Arm auf den Altarraum), dieses alte Gebäude ist von 1271, manche sagen, es ist noch älter. Das Rathaus haben wir schon erneuert; das alte ist, wie ihr wisst, abgebrannt. Nun soll endlich die Jacobikirche drankommen. Dann kann sich Sangerhausen sehen lassen. (Als Kreisstadt!!) Weiterlesen

Tierweihnachten

Ich habe ein Schaf mitgebracht. Ein Schaf von den Hirten auf dem Feld. Zur Weihnachtsgeschichte gehören die Tiere dazu. Die Hirten haben in der Nacht ihre Herden bewacht. Schafherden. Sicherlich hatten sie auch Hunde dabei. Und im Dunkel der Nach verbarg sich vielleicht auch ein Tier, das hungrig war und gern ein Lamm gerissen hätte, ein Wolf, vielleicht auch ein Bär. Weiterlesen

Maria und Josef – eine Frauen- und Männergeschichte

Wenn zwei Menschen dieselbe Begebenheit erleben, werden sie sie dennoch ganz unterschiedlich erzählen. Sie erleben sie unterschiedlich, dem einen ist dies und der anderen ist das wichtig. Selbst mit der Weihnachtsgeschichte ist das so. Lukas und Matthäus erzählen sie völlig unterschiedlich. Weiterlesen

Michael, der Seelenwäger. Predigt am Totensonntag

Sehen Sie links oben sehen die Reste des Wandgemäldes? Es ist ein Engel im wallenden Gewand. Doch er ist anders als die Engel auf Weihnachtsbildern dargestellt, auf unserer Kanzel oder an der Orgel. Er trägt eine Waage in der Hand und ein Schwert ist zu sehen. Er ist nicht lieblich, sondern zeigt ein anderes Gesicht. Es ist Michael, der Erzengel, oder auch Michael, der Seelenwäger. Waage und Schwert sind meist das Attribut der Gerechtigkeit, die nicht nach dem Ansehen urteilt. Hier, bei Michael, erinnert es an den Tod. Weiterlesen

Martin Luther King

Liebe Schwestern und Brüder, das ist einer der großen Träume der Menschheitsgeschichte, Martin Luther Kings Worte auf dem Marsch nach Washington 1963. Vor 50 Jahren begann dieser Traum wahr zu werden.
Er begann, Gestalt anzunehmen – nicht mit einer Umwälzung von oben, einer Regierungsumbildung, neuen Gesetzen oder einem internationalem Gipfeltreffen. Noch durch einen Aufruhr oder eine Revolte von unten, Gewalt und Blutvergießen. Er begann am 1. Dezember 1955, mit einer Frau, die müde von der Arbeit kam. Weiterlesen

Kirchenbücher – der Name bleibt

Joh. Metz, Kirchendiener, 11.Dec. 1601. Ich hatte seinen Sterbeeintrag gefunden! Unser Johannes Metze, der Kanzelträger in der Jacobikirche! Es hatte sich gelohnt, nach ihm zu suchen, sein Name steht in unserem Kirchenbuch. Er war vor 400 Jahren unser Küster; seine farbige Holzfigur steht mit einem riesigen Kirchenschlüssel in der Hand unter der Kanzel. Nach und nach fand ich noch mehr: dass er verwitwet war und seine Frau 5 Jahre vor ihm starb. Dass er eine Tochter Barbara hatte, die ihren Liebsten Hieronymus Kühne 1579 heiratete. Dass 1581 ein Enkelchen geboren wurde, Maria. Ich bekam sogar heraus, mit wem die jungen Leute befreundet waren, nämlich wenn sie bei anderen Familien Pate standen. Weiterlesen