Die Kirche erzählt (Spielszene zur Kirchen-Einweihung)

Fast 750 Jahre ist es her, dass die SangerhäuserInnen ihre Stadt erweiterten, den großen Marktplatz anlegten und darauf das Rathaus errichteten und die Kirche – groß genug, um die Menschen dieser Stadt zu beherbergen. In diese Kirche kamen sie, wenn sie Trost suchten oder Schutz in Kriegszeiten. Die Ratsherren und Bürgermeister zogen hier ein, wenn ihre neue Amtsperiode begann. Ihre Glocken warnten vor Feuer oder Angriff, sie mahnten allabendlich zum Frieden und läuteten den Toten heim. Was die Sangerhäuser*nnen über die Jahrhunderte erlebten an Freud und Leid – die Steine der Kirche haben es gesehen als stumme Zeugen.
Die Menschen waren dieser Kirche verbunden, sie haben sie gebaut, bewahrt und erneuert und mit Leben gefüllt. Jede Generation hat das Ihre beigetragen – bis heute, ins Jahr 2003.
Wie die Marktkirche 1271 aussah, wissen wir nicht mehr. Aber ihre Steine wurden wieder verwendet, als Meister Heinrich 1457 den Auftrag bekam, nach und nach an alter Stelle einen neuen Bau zu errichten.

Ich bin ein Pfeiler. Mit mir begann es, als die Arbeiter die Jacobikirche neu bauten, 1457. Seitdem blicke ich auf die Menschen herab. Weiterlesen →

Rote Ostereier und Schuldenerlaß

Für diese Predigt habe ich den Gottesdienst „Ostereier für Schuldenerlaß“ von Kerstin Sommer und Dieter Heidtmann zur Grundlage genommen und umgearbeitet. In: Ostern. Gottesdienstpraxis Serie B. Gütersloh 2001, S. 77 – 86
Wir haben die Sträuße in der Kirche mit Eiern geschmückt, einige haben sie von zu Hause mitgebracht. Ei und Ostern, das gehört zusammen, es ist ein Symbol für die Auferstehung. Weiterlesen →

Das Licht der Reichen – die im Dunkeln sieht man nicht.

Packen Sie unbedingt eine Taschenlampe ein, heißt es, wenn man nach Sri Lanka fährt, jener Insel südlich von Indien, die früher Ceylon hieß und wo heute noch unser Tee herkommt. Abends zwischen 8 und 10 ist hier meistens Stromsperre. Schon beim ersten Abendbrot im Hotel wurde es zappenduster. Die Cleveren hatten natürlich ihre Taschenlampe parat. Aber auch die Kellner waren auf den abendlichen Stromausfall eingestellt. Wenige Augenblicke später standen Petroleumlampen und Kerzen auf den Tischen, es wurde richtig stimmungsvoll und festlich. Aber schon 5 Minuten später flackerte das Licht. Die Lampen gingen wieder an. Der Zauber war zu Ende, der Strom wieder da. Weiterlesen →

An der Tür

– Mama !!! Hat geklingelt !!!
– (Mama, genervt:) Ja. Wer iss’n da?
– Weiß nich. Sieht aus wie ein Bettler.
– Was will er?
– Weiß nich, du mußt mal zur Tür kommen.

„Offene Türen“, davon reden wir gern in der Kirche, im übertragenen Sinne und am meisten im Advent (macht hoch die Tür…) Wie schwer es fällt, die Tür wirklich zu öffnen, merke ich in solchen Situationen. Weiterlesen →

Das Recht ströme wie Wasser

Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
Schön wär’s, waren sich die Frauen im Großmütterkreis einig, meistens strömt ganz anderes: Ungerechtigkeit, Bereicherung, Gewalt. Aber es kommt auch auf uns an, wie wir miteinander leben.
Das war zu Zeiten des Amos nicht anders: Die Reichen wurden immer reicher, die Armen verschuldeten sich bis über die Ohren. Weiterlesen →

Kostbare Stille

Ruhe!!!
Im alten Rom soll es sich nicht angenehm gewohnt haben: Der Krach von rumpelnden Karren und Händlern riß die Leute im Morgengrauen aus dem Schlaf; die engen Straßen waren tagsüber oft verstopft, und abends hallten sie wieder vom Gegröle in den Tavernen und den Schlägereien Betrunkener. Wer das entsprechende Kleingeld hatte, baute eine Villa auf dem Lande. Dort gab es Ruhe und gesunde Luft. Weiterlesen →

Johann Metze – Küster und Kanzelträger

Theaterszene zu Johann Metze, Küster  (gest. 1601) und Kanzelträger
(M: Johann Metze; I: Inverviewerin)

Pfarrerin: Wie Sie sehen, haben wir heute das Fernsehen zu Gast in der Jacobikirche. Die Techniker sind noch am Aufbauen, die Mikros müssen noch freigeschaltet werden, ich hoffe, dass nun alles klappt mit der Technik.    Ja, und nun schalten wir um von Sangerhausen nach … Sangerhausen! Weiterlesen →

Samuel Müller und der 30-jährige Krieg in Sangerhausen

In unserer Kirche ist ein Ehepaar, das uns wohl mehr über den Krieg erzählen könnte als jede/r andere. Der Mann hat darüber sogar zwei dicke Bücher geschrieben. Kennen Sie die beiden? Es sind Samuel Müller, im 17. Jahrhundert Superintendent in Sangerhausen, und seine Frau Anna Maria. Beide sind in Kirche begraben An ihn erinnert das 2. Epitaph links vom Altar, an sie die Holztafel gegenüber der Kanzel. Weiterlesen →

Der Geist von St. Jacobi

Natürlich hat der Jacobi-Turm in Sangerhausen auch einen Geist. Zu jedem alten Gemäuer gehört ein Geist, und zu einem Kirchturm sowieso. Von unserem wurde in den Sagenbüchern bisher nicht berichtet, denn meistens ist er unsichtbar – so wie sich das für einen echten Geist gehört. Er treibt im Verborgenen sein Wesen. Selbst für einen Geist ist das heutzutage Schwerstarbeit, denn wir sind ja eine moderne und aufgeklärte Zeit. Wer glaubt schon noch an Geister?! Weiterlesen →