Meine Suppe eß ich nicht, schüttelte die Prinzessin ihren Kopf und schob den Löffel weg. Ein Stöhnen ging durch die Tischgesellschaft. Die Mutter des Landgrafen runzelte missbilligend die Stirn und zischte ihren Sohn an: Ruf sie zur Ordnung. Doch der saß seelenruhig in der Mitte der Tafel und hielt die Prinzessin – pardon die Landgräfin, denn sie hatten jüngst geheiratet – bei der Hand. Er wusste, warum sie nicht essen wollte. Auch die gesamte Hofgesellschaft hoch oben auf der Wartburg wusste, dass Prinzessin Elisabeth keineswegs mäkelte.
Vielmehr fragte sie bei jedem Gericht: Woher kommt es? Weiterlesen
Träume
Friedenstaube und Pfingstfenster von Wilhelm Schmied
Die Taube ist das erste Hoffnungszeichen für Noah und die Seinen in der Arche. Sie ist das Hoffnungszeichen nach einer furchtbaren Naturkatastrophe, nach einer langen Irrfahrt, einer unsanften Landung und nach Wochen des Wartens. Sie haben überlebt, als einzige, ja. Aber werden sie auch weiterleben können? Denn noch ist nicht sicher, ob die verwüstete Erde überhaupt noch Lebensraum bietet oder ob sie nicht unwirtlich bleibt, ob sie so zerstört und verpestet ist wie Flüsse und Küsten, wenn Öl aus Bohrlöchern austritt oder Tanker leck schlagen. Weiterlesen
Die Mauer weglachen. Andacht am 9. November 2009
Witze sind die Waffe der Unterdrückten. Sie haben etwas Subversives. Sie untergraben die Autorität, nehmen sie einfach nicht mehr ernst, pfeifen auf die Regierung, entlarven ihr hohles Gerede, nehmen ihr Ende vorweg.
Witze sind die Waffe der Machtlosen, die nichts in der Hand haben, die keinen Druck ausüben können, nicht streiken, nicht demonstrieren, denen die Möglichkeit oder der Mut zum offenen Protest fehlt. Sie sind gewaltlos, wie Kerzen und Gebete. Weiterlesen
Gründonnerstag – Mahl der Träume
Das Abendmahl am Gründonnerstag ist ein Mahl der Träume. Auf unzähligen Bildern ist es gemalt, in unserem Altar dargestellt. Jesus und die Seinen essen das Passahlamm. Sie feiern den Gott, der die Menschen einst aus der Sklaverei befreite und sie auch heute noch in die Freiheit begleitet. Dieser Abend ist ein Fest. Das erste und auch das letzte. Sie sitzen zusammen, Jesus, seine Freundinnen und Freunde, enge und nahe. Sie essen Brot, sie trinken aus einem Kelch, sie hören Worte, die nie jemand zuvor gesagt und erdacht hat. Weiterlesen
Der Stall von Betlehem
Der Stall von Betlehem zählte ganz gewiß nicht zu den Traumimmobilien. Er wird eher eine Bruchbude gewesen sein, eine der ungezählten Arme-Leute-Behausungen dieser Welt. Und: wer ging schon nach Betlehem?! Die Musik spielte in Jerusalem. Betlehem ist nur ein paar Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Aber es ist eine andere Welt. Heute schrecken Stacheldraht und Straßensperren ab. Touristen verirren sich immer weniger hierher, die Fenster werden zugenagelt, die Geschäfte geschlossen. Weiterlesen
1914: Friede auf Erden
Heute vor genau 90 Jahren wurde Friede auf Erden. Genau so, wie es die Engel den Hirten auf den Feldern von Betlehem gesungen hatten: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Und zwar mitten im Krieg. Im 1. Weltkrieg. Weiterlesen
Vergeben dem, was war
Als ich 20 war, habe ich mich sehr darüber aufgeregt, dass das Gesangbuch voller Lieder ist, die von Leid und Tod erzählen. Die vielen Lieder aus dem 30jährigen Krieg waren mir zu pessimistisch und lebensfern. Ich kam erst ins Nachdenken, als Eltern bedauerten, dass das in der (damals) sozialistischen Schule ganz und gar fehle. Höchstens der Heldentod für den Sozialismus komme vor oder das Elend der werktätigen Massen. Aber wie sollten die Kinder darauf vorbereitet werden, mit Leid und Schicksalsschlägen umzugehen?
Inzwischen haben wir ein neues Gesangbuch, und im Religions- und Ethikunterricht werden auch Themen wie Behinderung oder Sterben bearbeitet. Die Ratgeberspalten haben sich sogar in der Kirchenzeitung einen festen Platz erobert. Im Grunde geht es dabei um ein und dasselbe Thema: wie gehen wir mit Schwierigkeiten oder Verletzungen um. Die Rechnung, dass ein rechtschaffenes oder gläubiges Leben davor feit, geht leider nicht auf. Weiterlesen
Berge besteigen – Predigt zu Matthäus 28,18-20
8000 ist die magische Zahl des Bergsteigens. Ab hier beginnt die Todeszone. Die Zahl ist das Achttausendfache des Urmeters. Das Himalaja-Gebirge hat 14 Achttausender. Der Mount Everest ist der höchste, 8848 m. 1953 gelang die Erstbesteigung, 1978 erreichten Reinhold Messner und Peter Habeler zum ersten Mal den Gipfel des Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff. An manchen Tagen belagern 300 Zelte den Everest. Nicht nur die Menschen leiden unter diesem Andrang, auch die Natur. Der Everest verwandelte sich zunehmend zu einer Müllkippe. Verpackungen, Fäkalien und vor allem leere Sauerstoffflaschen. Weiterlesen
Als Jesus einfach weg ging – Konfirmationspredigt zum 12-jährigen Jesus im Tempel