Barbara: Quarantäne im Turm

Am 4. Dezember ist Barbaratag. Barbaras Vater war ein reicher Mann. Als er verreisen wollte, ließ er einen dicken Turm bauen. Er sollte Barbara vor jeder Gefahr schützen. Der Turm wurde prächtig ausgestattet und mit Vorräten versehen für eine lange, lange Zeit. Barbara sollte es an nichts fehlen. Am Ende führte der Vater Barbara mit einer Dienerin hinein. Dann ließ er den Turm zumauern und zog außer Landes. Es hätte eine gute Zeit werden können. Aber Barbara wurde immer einsamer und fühlte sich eingesperrt. Die Dienerin erzählte ihr von Jesus. Sie liest in der Bibel. Noch im Turm läßt sie sich taufen und wird Christin.
Der Vater schäumte, als er zurückkam. Er ließ Barbara ins Gefängnis werfen und ließ das Todesurteil über sie sprechen. Doch niemand wollte das Schwert gegen sie erheben. Da setzte der Vater selbst seinem Kind den letzten Streich. In dem Moment ging ein Blitz nieder vom Himmel und schmetterte ihn zur Erde. Barbara wurde zur Heiligen derer, die – wie sie – ihre Tage in Dunkelheit, ohne Licht verbringen müssen, der Bergleute, aber auch der Bauarbeiter, die mauern müssen, der Türmer und Glöckner. Auf unserem Flügelaltar ist sie ganz links dargestellt. Ihr Symbol ist der Turm und der Kelch.

Hochaltar

Wie Barbara in ihrem Turm saßen und sitzen viele Leute in diesem Jahr zuhause fest. Ihr Turm heißt Wohnung, Quarantäne oder Selbstisolation. Manche sind dort sehr einsam geworden, auch wenn sie es warm haben und jemand die Einkäufe erledigt. Es fühlt sich an wie im Gefängnis. Barbara und ihr Turm, das ist in Corona-Zeiten sehr aktuell.
Es kann schnell eng werden und Streit geben, wenn Menschen das Haus nicht verlassen dürfen. Für viele Frauen und Kinder wurde die Wohnung zur Falle. Sie waren der Gewalt ausgesetzt, trauten sich nicht zu telefonieren, konnten nicht flüchten.
Barbara steht für Ehemänner, die ihre Frauen wegsperren, Väter, die ihre Töchter einsperren und ihnen kein eigenes Leben gönnen, kein Geld, keine Freundinnen, keine eigene Meinung.

Vom Vater weggesperrt werden – das hat Barbara erlebt. Sie hat Hoffnung gefunden. Gott hat sie stark gemacht, dass sie die Zeit überstehen konnte, selbstbewusst blieb, sich dem Vater entgegenstellen konnte.

An ihrem Todestag, am Barbaratag, werden von den Kirschbäumen Zweige geschnitten und in die Vase gestellt. Sie sind noch lange kahl. Aber zu Weihnachten entfalten sich ihre Blüten. Die Hoffnung blüht auf. Das Leben soll neu werden, mitten im Winter. Davon erzählt Barbara.

 

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